1979 emigrierten Hawtins Eltern von England nach Windsor (Ontario). Sein Vater arbeitete in einer Autofabrik des General-Motors-Konzern. Im Alter von 15 Jahren machte Richie Hawtin regelmäßig „Clubbing“-Ausflüge in das nahe gelegene Detroit, mit 17 war er bereits Disc Jockey in einem Club namens Shelter. Zusammen mit seinem Bruder Matthew Hawtin (ein visueller Künstler) teilte er sich zu dieser Zeit in Windsor eine alte Feuerwache. Richie Hawtin begann ein Studium der Filmwissenschaften in Windsor. Über einen Kontakt mit Jeff Mills war Hawtin Ende der 1980er Jahre erstmals auch als Produzent tätig. Anschließend hatte er bei dem Sender Detroit 96,3 FM eine eigene Radioshow, die zu seiner weiteren Popularität beitrug. Mit John Acquaviva gründete er 1990 das in der Techno-Szene inzwischen legendäre Plus-8-Label. Ursprünglich wollte das Produzentengespann Hiphop veröffentlichen und so produzierte man anfangs noch für Kenny Larkin. Doch bereits 1991 erschien erstmals Acid Techno auf dem Label, meist von Hawtin, Acquaviva und Speedy J eingespielt. Damit wurde das Label stilbildend und lag im Trend. Binnen kürzester Zeit wurden konstante Verkaufszahlen von 10.000 Stück und mehr erzielt. Hawtin gründete 1991 noch die Labels Probe (für experimentellere Veröffentlichungen) und „Definitive“ (für House Music). Gleichzeitig wurden er, Acquaviva und Speedy J international gefragt als DJs bzw. Live-Acts. Aufgrund seiner zahlreichen Verpflichtungen beendete Hawtin sein Studium ohne Abschluss.
Als Musiker und DJ nannte sich Hawtin nun auch Plastikman und Fuse, zusammen mit Fred Giannelli und Daniel Bell auch Spawn. Veröffentlichungen (überwiegend Maxi-Singles) folgten in großer Zahl und schneller Folge. Neben eigenen Produktionen machte sich Hawtin auch als Remixer einen Namen. Er setzte musikalische Akzente und arbeitete unter anderem für Sven Väth, The Shamen, Josh Wink, Laibach, Steve Hillage und mit Pete Namlook.
Auf seinem Album „Sheet One“ (1993) verwob er Acid mit Ambient- und Minimal-Techno-Elementen. Die Songs sind experimentelle Klangcollagen aus TB-303-Läufen, Percussions und Effekten. Dieses Album hat in der Techno-/Electro-Szene einen legendären Ruf. 1995 erschien mit Hawtins „Call it what you want“ die 50. Veröffentlichung auf Plus8 Rec. 1995 gründete Hawtin mit seinem Bruder Matthew einen Intellinet genannten Vertrieb für insgesamt 15 Labels, der jedoch bald wieder eingestellt wurde. Infolge der Intellinet-Pleite wurden auch die Labels Probe und Definitive eingestellt. 1997 erfolgte nach über 70 Veröffentlichungen auch die Einstellung von Plus8. Das Label firmierte in der Folgezeit unter dem Namen m_nus.
Als DJ sind ihm die Plattenspieler nie genug, beziehungsweise live ist Richie Hawtin mehr als Live-Act denn als DJ anzusehen, denn oft verwendet er zusätzlich Effekt-Geräte und nicht selten schließt er auch noch einen TR 909-Drumcomputer an. Eine solche Session wurde 1999 auf CD festgehalten: „Decks, EFX & 909“. Zusammen mit John Acquaviva nutzte er als erster DJ die Software Final Scratch zum Mixen. Im Jahr 2000 erschien mit „Plus8 Classics“ eine Retrospektive auf die siebenjährige Labeltätigkeit. 2001 präsentierte sich Hawtin wieder experimentell: Mit „DE9: Closer to the Edit“ legte er ein Album vor, das aus unzähligen kleinen Sound-Schnipseln von über 100 Techno-Produktionen zusammengesetzt wurde und so zur Hälfte eine Eigenproduktion und zur Hälfte einen DJ-Mix darstellt. Von 2002 bis 2003 lebte Hawtin in New York City, ab 2004 in Berlin. In Deutschland begann eine intensive Zusammenarbeit mit Ricardo Villalobos, mit dem er ein erfolgreiches DJ-Gespann bildet und in dessen Projekt Narodniki – the Laptop Supergroup er ebenfalls mitarbeitet. In der zweiten Hälfte des Jahres 2005 schuf Hawtin gemeinsam mit dem Mailänder Choreografen Enzo Cosimi den Titel „9:20“ für die Eröffnungsgala der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin. Es handelte sich dabei allerdings um eine verlängerte Fassung des 1991 unter seinem Projektnamen F.U.S.E. erschienen Stücks „Substance Abuse“ – fraglos als neckische Anspielung auf die Dopingproblematik im Hochleistungssport gewählt.
Im März 2006 war in Berlin die Ausstellung min2max zu sehen, in der laut Pressetext „mit einer ästhetischen Minimalität der Quader im Raum mystifiziert wird“. Das Ausstellungskonzept lieferte Matthew Hawtin, Richie Hawtin hatte den minimalistischen Soundtrack dafür produziert.

